Diffuse Fluidaustritte am Meeresboden

Meteor – 22.06.2023

Tag 15 unserer Reise – Rainbow Hydrothermalfeld

Am Morgen ist die See rau und es regnet. Aber als wir am späten Vormittag unser zweites Arbeitsgebiet dieser Forschungsfahrt erreichen, hätte es nicht schöner sein können. Der Himmel ist aufgerissen, und wir werden im Rainbow Hydrothermalfeld von einem Regenbogen begrüßt. Wir sind schon ein wenig gerührt.

Unser zweites Arbeitsgebiet ist das Rainbow Hydrothermalfeld. Es liegt in 2.300 m Wassertiefe und wurde 1994 ca. 550 km südwestlich der Azoren entdeckt. Bereits kurz nach unserer Ankunft wird das ROV zu Wasser gelassen. Die etwas raue See ist kein Problem für das ROV-Team und die Decksmannschaft der Meteor.

Die heutige Tauchfahrt hatte vor allem ein Ziel, das Aussetzen eines Unterwasserobservatoriums und das Ausbringen von drei Temperaturmesssonden. Das Observatorium misst Temperatur, Druck, den Sauerstoffgehalt des Wassers, den pH-Wert, die elektrische Leitfähigkeit und die Trübe in der Wassersäule. Isabelle, die Kollegin aus Lyon, hatte die Geräte mit an Bord gebracht. Die Messgeräte werden die kommenden zwei Jahre am Meeresboden bleiben und kontinuierlich Daten aufnehmen. Danach werden sie auf einer anderen Forschungsfahrt wieder eingesammelt.

Zunächst steuern wir also die Region an, in der die Messgeräte ausgesetzt werden sollen. Dies ist ein Plateau in 1.950 m Wassertiefe mit zwei Senken, mehr oder weniger tief. Das Aussetzen des Unterwasserobservatoriums und auch der drei Temperatursensoren klappt ohne Probleme.

Danach begeben wir uns auf die Suche nach Austrittsstellen diffuser Fluide. Erneut eröffnet uns das ROV einen Einblick in eine faszinierende Unterwasserwelt. Im Kamerabild taucht ein kleines Muschelfeld auf. Wir sehen „shimmering water“ und dichten Muschelbewuchs, sowohl größere, ältere Exemplare mit einer dunkelbraunen Schale als auch kleinere jüngere, die eine eher gelbliche Schalenfarbe haben. Steine im direkten Bereich des ausströmenden Fluids (wir messen später 96° Celsius) sind von einem dichten Teppich weißer fädiger Bakterien überwachsen. In manchen Bereichen des Muschelfeldes sind auch die Muscheln selbst von diesen weißen Fäden überzogen. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich dabei um Bakterien handelt, die vom Schwefelwasserstoff im hydrothermalen Fluid „leben“. Als die Fluidprobe, die an dieser Stelle genommen wurde, später im Labor ist, wird zumindest der Schwefelwasserstoff durch den charakteristischen Geruch nach faulen Eiern bestätigt. Ob bzw. um welche Schwefelbakterien es sich handelt, werden die Untersuchungen von Anke ergeben. Auf unserem weiteren Weg am Meeresboden kreuzt eine weiße Chimäre unseren Weg. Dies ist ein Knorpelfisch, verwandt mit Haien und Rochen. Chimären werden auch Seekatzen oder Geisterhaie genannt. Sie leben in den großen Tiefen der Meere.

Die Zeit am Meeresboden ist heute schnell vorbeigegangen, da der Tauchgang ja erst mittags begonnen hat. Ohne Probleme wurden das Unterwasserobservatorium und die drei Temperatur-sonden ausgebracht, ein wichtiger Punkt kann von der Liste gestrichen werden. Zusätzlich wurden noch einige Wasserproben und ein Netz mit Muscheln genommen – Arbeit für den Abend.